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Predigt 29. Mai 2022 - Exaudi
Predigttext Römer 8, 26-30
Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf.


Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt.  
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.  
Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen;
die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht;  
die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.
Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist. Amen.

Liebe Gemeinde!
Im Römerbrief erläutert Paulus die Grundzüge des christlichen Glaubens. Unser Predigttext geht es darum, dass alle, die auf Christus vertrauen jetzt schon gerettet und erlöst sind, aber zunächst nur auf Hoffnung, bis die Zeit kommt, in der sich diese Hoffnung vollendet, in der das offenbar, also für alle sichtbar wird, worauf wir heute nur hoffen können.
Dabei schwärmt Paulus nicht für die goldene Zukunft, ohne aus den Augen zu verlieren, was in dieser Welt geschieht. Er hat auch im Blick, was die Menschen bedrückt. Es geht ihm einerseits um die Nöte unserer Tage und andererseits um die herrliche Zukunft, die uns erwartet.
Und weil Paulus von dieser Herrlichkeit reden will und muss, aber nicht außer Acht lassen kann, was in dieser Welt vor sich geht, redet er sehr viel in Gegensätzen:
-Wir wissen nicht, was wir beten sollen – aber der Geist seufzt für uns.
-Wir wissen aber, dass uns alle Dinge (auch die schlimmen) zum Besten dienen müssen.
-Wir unvollkommenen Menschen, sind vorherbestimmt, dem Bild des Sohnes Gottes gleich zu sein.
-Zu diesem Zweck hat Gott die Menschen berufen und gerecht gemacht – auch wenn sie jetzt noch in Sünde und Schuld auf vielfältige Weise verstrickt sind.
-Eben diese unvollkommenen Menschen hat Gott verherrlicht.
Um diese Aussagen des Paulus soll es nun im Folgenden gehen.

Wir wissen nicht, was wir beten sollen, aber der Geist seufzt für uns mit unaussprechlichen Seufzen.
Das kennen wir vielleicht: wir wissen nicht, was wir beten sollen, ja, ob wir überhaupt beten können.
Da gibt es schwere Schicksalsschläge, die uns verstummen lassen, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung lassen uns keine Worte finden. Oder wir sind aufgebracht und empört, verstehen nicht Gottes Handeln oder Schweigen, sind voller Wut und Anklagen. Dies alles kann zu einer Sprachlosigkeit der Seele führen – alles, was wir noch zustande bringen, ist Gestammel – am liebsten würden wir laut herausschreien, aber es bleibt uns im Halse stecken.
Das sind Erfahrungen, die Menschen zu allen Zeiten haben machen müssen, die auch unseren Vätern und Müttern im Glauben nicht fremd waren.
Paulus sagt: Der Heilige Geist, der uns als Tröster und Fürsprecher gesandt ist, der wird unser Gestammel übersetzen, unser verzweifeltes Schweigen in Worte kleiden und unsere manchmal stummen Schreie in ein Seufzen verwandeln, das von Gott erhört wird.
Das ist das beste Gebet, wenn wir ganz zu Gott kommen, wie wir sind und vor seinem Angesicht einfach nur da sind, ohne viele Worte. Der Heilige Geist bringt unsere Anliegen vor Gott. Gott ist auf unserer Seite und er hört auch das, was wir nicht zu sagen wagen oder nicht mehr sagen können.

Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach dem Vorsatz Gottes berufen sind.
Dieser Satz hat es in sich: erst hieß es noch: wir wissen nicht, wie wir beten sollen – Jetzt stellt Paulus fest: wir wissen aber.
Letztlich wissen wir gar nichts, das wird uns manchmal sehr schmerzlich bewusst, aber wir dürfen gewiss sein, das bedeutet: hoffen und vertrauen. Das Schlimme und Schwere, das manchmal kaum auszuhalten, ja unerträglich ist, dies alles muss letztlich dem Ziel Gottes für uns dienen. Dies alles hat keine eigene Macht mehr, Gott ist der Herr, der uns seinen Weg führt. Und auch wenn wir oft nicht verstehen, wird er trotz allem mit uns sein Ziel erreichen, wenn wir uns darauf einlassen.
Vor etwa 52 Jahren, da saß ein Jugendlicher im Gottesdienst. Er stand vor einer schweren Entscheidung, welchen Beruf er ergreifen soll. Seit Wochen hatte er nicht mehr ruhig schlafen können und allmählich musste er sich entscheiden. Da hörte er, wie der Pfarrer von der Kanzel genau diesen Satz sprach: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach dem Vorsatz Gottes berufen sind. Und mit einem Mal war sich der Jugendliche ganz sicher, welchen Beruf er ergreifen sollte. Er spürte in sich eine Kraft, die ihm Mut machte und er fasste den Entschluss: ich werde Diakon. Diese Entscheidung hat er seitdem nie bereut, sonst würde ich wohl heute nicht hier zu Ihnen sprechen.

In alle Unsicherheit Gewissheit finden, das ermöglicht uns das Wirken Gottes, das ganz unabhängig ist vom Wohl und Wehe unserer Zeiten, Gott hat einen Weg für uns, er heißt ihn uns gehen und er nimmt uns mit und stärkt uns.
Paulus beschreibt das mit den Worten vorherbestimmt – berufen – gerecht gemacht – verherrlicht.
Vorherbestimmt sind wir alle nach Gottes Willen, das bezeugt uns die Heilige Schrift, wenn sie sagt: Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Diese Vorherbestimmung gilt allen Menschen von vornherein ohne Verdienst und Würdigkeit wird dies uns in der Taufe zugesprochen.
Berufen sind alle, die sich auf Gott einlassen, dass sie den Willen Gottes in dieser Welt tun, auch wenn es Opfer kosten und Verluste mit sich bringt. Berufen sind wir, durch unser ganzes Leben Gott zu preisen, ob Männer, Frauen, Kinder oder Jugendliche. Freilich können wir dieser Berufung auch widersprechen, diese Freiheit haben wir, es ist unsere Entscheidung.
Gerecht gemacht sind alle, die Gott vertrauen. Dazu ist Jesus gestorben und auferstanden, damit wir die Last unserer Schuld nicht mehr mit uns rumschleppen müssen. Unsere Schultern sind frei, nun die Lasten anderer zu tragen. Gott hat uns gerecht gemacht, nicht damit wir etwas Besseres sind als andere, sondern damit wir unsere gewonnene Freiheit nutzen, uns im Namen Gottes für die einzusetzen, die sich selbst nicht helfen können.
Und am Ende steht das Wort des Paulus: wir sind verherrlicht. Ja, wir mit unseren Begrenztheiten sind von Gott verherrlicht, wir mit unseren Ängsten sind von Gott verherrlicht; wir mit unseren kleinen und großen Nöten sind von Gott verherrlicht – welch ein Geschenk!
Wir sind ausersehen, dem Bild des Sohnes Gottes gleich zu sein. Und so wie wir Gott verherrlichen, so sind wir durch ihn verherrlicht. Wie leben wir als solche von Gott verherrlichten Menschen? – Eine spannende Frage, auf die jeder Mensch eine persönliche Antwort geben muss.

In alledem schildert Paulus, wie sich Gott für uns Menschen einsetzt. Er versteht uns, auch wenn wir nur schweigen können; er bringt uns zum Ziel, und lässt alle Dinge diesem Ziel dienen, er gibt Gewissheit in ungewisser Zeit, er hat uns dazu ausersehen, dass wir in dieser Welt zu lebenden Bildern seiner Liebe werden,
dazu hat er uns berufen und gerecht gemacht, das meint: brauchbar gemacht für diese Aufgabe. Als Menschen, die ihn lieben, sind wir auch verherrlicht – nicht erst in der fernen Ewigkeit, sondern schon hier und heute, mitten in dieser Welt. Gott steht auf unserer Seite, auch wenn wir das manchmal nur schwer glauben können, denn die Liebe Gottes, die all unser Denken übersteigt bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN!

 

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(Kein Anspruch auf Vollständigkeit)